Izmir: Die blutige Geschichte einer umkämpften Stadt

Izmir gehört zu den beliebtesten Ziele vieler Türkei Reisen. Doch neben schönen Badeorten bietet die Stadt auch eine Geschichte der Machtkämpfe und der Gewalt, die bis in die Antike zurück reicht. Den wenigsten Besuchern im Türkei Urlaub dürfte diese bekannt sein.

Zeugnisse vergangener Zeiten in Izmir: In der Antike wurde jeder aus dem Weg geräumt, der einer Herrschaft über die Stadt im Wege stand (Foto: Frank Kovalchek)

Zeugnisse vergangener Zeiten in Izmir: In der Antike wurde jeder aus dem Weg geräumt, der einer Herrschaft über die Stadt im Wege stand (Foto: Frank Kovalchek)

Die drei Millionen Einwohner Metropole Izmir (lateinisch: Smyrna) liegt an der türkischen Ägäisküste am Golf von Izmir. Sie ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und beherbergt den zweitgrößten Hafen des Landes – nach Istanbul. Neben vielen historischen Stätten, wie Ephesus, gibt es in der näheren Umgebung die berühmten Badeorte Cesme und Kusadasi.

Außerdem kann man von Izmir aus bequem Kurzausflüge zu griechischen Inseln wie Samos oder Chios machen. Auf dem historischen Bazar von „Kemeraltı“ finden Reisende im Türkei Urlaub orientalische Kuriositäten und Goldschmuck. Izmir gilt heute als eine der fortschrittlichsten Städte der Türkei. In den Sommermonaten gibt es verschiedene Kunst- und Musikfestivals, die bei Ihren Türkei Reisen eine bunte Abwechslung bieten könnten.

Wie viele türkische Städte hat Izmir eine weit zurück reichende Geschichte. Erste Siedlungen können bereits auf die Jahre 6500-4000 v. Chr. datiert werden. In der Antike gehörte die Stadt zur Provinz Asia Diese galt als eine der bedeutendsten und reichsten Provinzen des römischen Reiches und war deshalb sehr begehrt:

Antike Türkei Reisen: Die Mörder der Mörder

In der Antike, genauer gesagt 43 v. Chr., beherbergte das damalige Smyrna einen der Mörder von Julius Caesar, Gaius Trebonius. Julius Caesar wurde ein Jahr zuvor von einer Gruppe von Senatoren während einer Senatssitzung im Theater des Pompeius in Rom mit ganzen 23 Dolchstichen ermordet. Trebonius begab sich direkt nach der Ermordung des Diktatoren nach Smyrna, wo er als Prokonsul, einem Statthalter, fungierte. Doch auch der jüngere Publius Cornelius Dolabella wollte Herr über die Provinz sein. Noch im selben Jahr suchte er Smyrna auf, stellte sich zum Schein gut mit Trebonius, nur um ihn eines Nachts hinterlistig ermorden zu lassen – geköpft durch seine Soldaten. Der Kopf wurde auf dem Tribunal postiert, der Leichnam geschändet. Von da an war Dolabella der neue Herr der Provinz.

Christliche Vorherrschaft in Smyrna

In der Spätantike ging es friedlicher zu: Smyrna war ein wichtiges Zentrum der Christenheit mit einer großen christlichen Gemeinde. Diese ist, neben Ephesus, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodikeia, eine der sieben Gemeinden der Offenbarung des Johannes. Die Offenbarung des Johannes ist das letzte und das einzig durchgehend prophetische Buch des christlichen Neuen Testaments. Sie richtet sich in Briefform an sieben christliche Gemeinden im Römischen Reich, die eine bedrängte Minderheit darstellten. Die Offenbarung sollte den göttlichen Heilsplan enthüllen und damit die Gemeindemitglieder ermutigen, den römischen Kaiserkult weiterhin abzulehnen und auf die Wiederkunft Christ am Tag des jüngsten Gerichts zu hoffen.

Nachdem Byzanz – das spätere Konstantinopel und heutige Istanbul – die Hauptstadt des byzantinischen Reichs, schon den Großteil Kleinasiens verloren hatte, wurde Smyrna 1424 von den Osmanen erobert. Da die Christen in der Stadt aber immer noch die Mehrheit bildeten, wurde sie von Muslimen gelegentlich „ungläubiges Izmir“ (Gavur İzmir ) genannt. Christen, Juden und Muslime bestehend aus Griechen, Bulgaren, Armeniern und Türken lebten in jeweils eigenen Stadtteilen zusammen.

Der verheerende Großbrand von 1922: Tausende von Armeniern und Griechen starben (Foto: Hakan Akçura)

Der verheerende Großbrand von 1922: Tausende von Armeniern und Griechen starben (Foto: Hakan Akçura)

1919 setzte sich die blutige Geschichte fort. Am 15. Mai wurde die Stadt von griechischen Truppen besetzt. Von hier aus rückten sie weiter nach Anatolien vor. Viele muslimische Zivilisten wurden getötet, wofür Griechenland später Rechenschaft ablegen musste. Durch den Vertrag von Sèvres fiel die Stadt an die Griechen, nur um 1922 von den Türken zurück erobert zu werden. Am 13. September 1922 brach im Armenierviertel ein Feuer aus, das einen großen Teil der Stadt vernichtete. Das Feuer entstand vier Tage nach der Rückeroberung der Stadt und dauerte mehrere Tage.

50.000 bis 100.000 Griechen und Armenier wurden durch den Brand und die den Brand begleitenden Ausschreitungen getötet. Die Brandursache ist bis heute nicht geklärt, einige Historiker sind der Meinung, die türkische Armee habe die Stadt systematisch heruntergebrannt und Griechen und Armenier getötet. Dafür spräche, dass die muslimischen Viertel vom Brand nicht betroffen waren. Viele der Griechen flohen daraufhin nach Athen, wo noch heute der Stadtteil Nea Smyrni an ihre Herkunft erinnert. Im Vertrag von Lausanne, 1923, wurden Izmir und die Westküste Kleinasiens der Türkei zugesprochen.

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