“Die historische Prägung Europas durch den Islam kann nicht geleugnet werden”

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, äußert sich im Interview zu der heute vom frisch ernannten Innenminister, Hans-Peter Friedrich wiederholten Äußerung: Der Islam würde nicht zu Deutschland gehören.

Aiman Mazyek. (Foto: ddp images)

Aiman Mazyek. (Foto: ddp images)

Deutsch Türkische Nachrichten: Wie beurteilen Sie rückblickend die Arbeit von Thomas de Maizière (CDU) als Innenminister? Jetzt wo er weg ist – sind Sie enttäuscht oder vielleicht sogar froh bzw. hätte er in Ihren Augen noch mehr bewirken können?

Aiman Mazyek: Wir bedauern eigentlich, dass er die ausgestreckte Hand, die wir ihm entgegengebracht haben, nicht ergriffen, sondern dieses Angebot ausgeschlagen hat. Dies waren wirklich sehr leicht nachvollziehbare Änderungen innerhalb der deutschen Islamkonferenz, die für den Verlauf und für den Bestand der Konferenz sehr positiv hätten sein können. Mit seiner Absage an unsere sehr leicht umsetzbare Änderungen hat er uns deutlich gemacht, unser Platz sei in der konstruktiven Opposition und eben nicht auf der Islam Konferenz selbst.

Heute hat der neue Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) wiederholt auf die Feststellung des Bundespräsidenten Christian Wulff (CDU), reagiert. Erneut betonte er: “Der Islam gehört nicht zu Deutschland.” Wie beurteilen Sie diese Äußerung heute angesichts der Tatsache, dass Friedrich nun für Integrationsfragen zuständig ist?

Grundsätzlich ist die Aussage falsch, weil es natürlich genügend historische Belege gibt, dass es zwischen der islamischen Welt und Europa immer Bezüge gab. Es gab immer einen regelrechten Austausch und auch in Europa selbst eine muslimische Präsenz, ob es in Andalusien oder in Malta oder Sizilien ist, um nur einige zu nennen. Die historische Prägung Europas durch den Islam kann einfach nicht geleugnet werden. Es gibt natürlich bei uns Meinungsfreiheit. Man kann gerne das Gegenteil behaupten. Es wird aber dadurch nicht richtiger. Historisch und realitätsbezogen ist die Aussage des Bundespräsidenten mehr als richtig, dass der Islam zu Deutschland gehört. Dem kann eigentlich nicht widersprochen werden.

Haben Sie Angst, dass es zu einer neuen Radikalisierung der Debatte um die Stellung des Islam in Deutschland kommen könnte?

Angst haben wir nicht. Ich glaube, dass man ihm auch eine Chance geben muss, sich in die Thematik einzuarbeiten. Diese Chance sollte er haben, bevor wir uns jetzt in Furchtexzessen übertreffen wollen. Ich schließe auch positive Überraschungen nicht aus.

Felix Kubach

Kommentare

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  1. Nonkonformer sagt:

    Herr Mazyek hat nicht Recht, die “Bezüge” des Islam zu Europa waren derart, daß man
    Teile des Balkans durch das Osmanische Reich bzw. Spanien durch die Mauren er=
    obert hatte. Eine zählbare Einwohnerschaft von Mohammedanern in Europa, vor allem Mitteleuropa, hat es nie gegeben, Basta, bzw. das ist historisch nachweisbar.
    Deshalb ist Wulffs Aussage “substanzlos”, ebenso wie die kritisierte hier, der Islam
    gehört dann zu Europ, wenn Millionen von Mohammedanern erwa ein Jahrhundert
    hier gelebt haben, dann könnte man diese Bezeichnung gebrauchen.

    • Gast sagt:

      Ich finde, Sie sollte etwas mehr aufpassen beim Umgang mit dem Wort “Muhammedaner”. Denn es gibt keine “Muhammedaner”. Wenn sie damit die Muslime meinen, dann sollten Sie auch bitte das richte Wort nutzen.

      • Nonkonformer sagt:

        Wir Christen wurden nach Jesus Christus zu “Christen”, die Anhänger des
        Propheten u. Stifters Mohammed, wurden deshalb zu Recht zu “Mohamme=
        danern”, warum seit einiger Zeit der Ersatz “Muslime” existiert, entzieht sich
        meiner Kenntnis.
        Warum sollte ich “vorsichtig” sein? Ihr Ton ist merkwürdig, vielleicht sogar
        anmaßend! Außerdem habe ich nicht “Muhammed”, sondern Mohammed
        geschrieben, wie konnte Ihnen das entgehen?

        • belanglos sagt:

          mit aufpassen meinte der gast einfach nur deine falsche Ausdrucksweise,dass damit nichts anderes gemeint ist, ist ja wohl verständlich oder??

      • bekennerchristi sagt:

        sorry, lieber “mohammedaner” – aber lt. duden ist das die bezeichnung derer, die dem “propheten” nachlaufen!
        das wort “moslem” heißt wohl übersetzt sowas wie “der sich gott unterwirft” – nachdem euer gott nicht unser gott ist, könnt ihr es in euren ländern handhaben wir ihr wollt, in deutschland aber ist die korrekte bezeichnung für euresgleichen “mohammedaner”! warum sollten wir als christen euch den “respekt” zuteil werden lassen, den ihr uns “ungläubigen” verweigert? was soll diese “versteckte” drohung, daß man “aufpassen” soll?
        man kann nur immer wieder betonen, daß es in deutschland freizügigkeit gibt! das funktioniert im übrigen in BEIDE richtungen! einreisen und AUSREISEN!

        • belanglos sagt:

          tut mir leid aber die bezeichnung “mohammedaner” ist leider nicht so richtig
          es gibt viele millionen muslime und nicht alle “laufen” hinter dem propheten MUHAMMED her…
          die korrekte bezeichnung ist MUSLIM

  2. Thanthalas sagt:

    Der Mann sagt auch nur was er gerne hätte . Herr Mazyek lassen sie endlich diese Opferrolle bleiben.

  3. Albert Albern sagt:

    Der Streit darum, ob der Islam Europa geprägt hat, ist unsinnig. Die tiefer greifende Frage ist: “WIE der Islam Europa geprägt hat? Mit welchem Ergebnis?” ist angebrachter.

    Selbst wenn man nur bei dem “ob?” bleiben will, auch dann muss man sich mit dem Orakel auseinandersetzen:

    In wie weit bekennt sich Europa zum Islam und seiner Prägung?
    In wie weit bekennt sich der Islam zur Europa und zu seiner Prägung Europas?

    Aus dem Orakel wird ersichtlich, dass sich der Streit um das Bekenntnis dreht…
    Europa will sich nicht zum Islam bekennen. Also hat der Islam Europa mit dem Ergebnis geprägt, dass sich Europa nicht zum Islam und seiner Prägung bekennen will. Und das ist Europas gutes Recht.